Wissen #06 – Belastungen

aap-Wissen - Baustein #06

Themenbereich I - QUALITÄT der Arbeitsbedingungen

Die Reduzierung von Fehlzeiten ist ein maßgeblicher Faktor für ein erfolgreiches Arbeiten in der Pflege. Wie hoch die Fehlzeitenquoten einer Einrichtung sind, hängt zu einem großen Teil von den Belastungen ab, die die einzelnen Mitabeiter:innen empfinden. aap-Wissen Baustein Nr. #06 behandelt Aspekte rund um diese Belastungen.

Man unterscheidet zwischen physischen und psychischen Belastungen, wobei physische Überlastungen auch häufig zu psychischen Problemen führen. Was einzelne Mitarbeiter:innen als belastend empfinden, hängt von den individuellen gesundheitlichen Gegebenheiten und Empfindungen sowie den subjektiven Betrachtungen ab.

Um Belastungen bzw. der Vermeidung handhabbar zu machen, müssen diese kategorisiert bzw. eingeordnet werden. Eine Grundlage für eine solche Einordnung bietet die DIN-Norm 10075, die die ergonomischen Grundlagen bezüglich psychischer Belastungen in drei Teilen dezidiert beschreibt.

Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie GDA hat eine eigene Leitlinie zur Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz entwickelt. Die darauf basierende Checkliste enthält vier Kategorien mit zugeordneten konkreten Belastungsfaktoren:

  • Arbeitsinhalt/ Arbeitsaufgaben
    – Handlungsspielraum
    – Information/ Informationsangebot
    – Verantwortung
    – Qualifikation
    – Emotionale Inanspruchnahme
  • Arbeitsorganisation
    – Arbeitszeit,
    – Arbeitsablauf /-intensität
  • Soziale Beziehungen
    – zu Kolleg:innen
    – zu Vorgesetzten 
  • Arbeitsumgebung
    – Physische Faktoren
    – Arbeitsplatzgestaltung
    – Arbeitsmittel

Die GDA-Kategorien und Belastungsfaktoren sind auch Grundlage des PSYGA-P Zusatzmoduls zur aap-Mitarbeiterbefragung, mit dem auch die Verpflichtungen des § 5 ArbSchG (psychische Gefährdungsbeurteilung) erfüllt werden können.

Unabhängig von der Systematik, ist es wichtig, dass die Belastungen strukturiert erhoben, erfasst und bearbeitet werden. Je früher und je besser Belastungen einzelner Mitarbeiter:innen erkannt werden, desto effektiver können diese unterstützt werden.

Überlastungsanzeigen besitzen dabei einen besonderen Stellenwert, da sie auch ein rechtliches Instrument sind. Auf der einen Seite gilt es, die Notwendigkeit von Überlastungsanzeigen so gering wie möglich zu halten, auf der anderen Seite sind sie ein guter Indikator, um besondere Belastungssituationen transparent sichtbar zu machen.

Die Corona-Pandemie hat das Thema der Belastungen in der Pflege noch einmal besonders deutlich gemacht. Diverse Studien beschäftigen sich damit und bieten gute Hinweise, wie man als Arbeitgeber mit Belastungen der Mitarbeitenden umgehen sollte.

Tipps für die Praxis

Der wichtigste Indikator dafür, wie hoch die Belastungen der Mitarbeiter:innen sind, ist die Fehlzeitenquote. Durch ein konsequentes Monitoring der individuellen und gemeinschaftlichen Fehlzeitenquote ist es möglich, übermäßige Belastungen schnell zu erkennen und entsprechend gegenzusteuern. 

Mitarbeiter:innen benötigen oftmals Unterstützung, wenn sie deutliche psychische Belastungen verspüren, auch, wenn persönliche Probleme wie familiäre Schicksale, Krankheiten etc. vorliegen. Durch entsprechende Kooperationen (z.B. mit psychologischen Diensten) können Einrichtungen dafür Sorge tragen, dass Mitarbeiter:innen schnell Zugang zu entsprechenden Unterstützungsleistungen erhalten. 

Viele Menschen würden über ihre persönlichen Probleme und Befindlichkeiten reden, sie haben aber oft keine adäquaten Gesprächspartner in ihrem persönlichen Umfeld. Hier können Seelsorger, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen etc. ein hilfreiches Angebot sein. Als Einrichtung kann man hier entsprechende Netzwerke aufbauen, auch, um Mitarbeiter:innen entsprechende Hinweise geben zu können. 

Um mit Belastungen umzugehen, hilft vielen Menschen ein Ausgleich. Je nach Typ sind hier sehr unterschiedliche Arten denkbar. Sport, Spiel, ehrenamtliches Engagement sind eher aktive Methoden des  Ausgleichs, Yoga, Massagen, Angeln etc. sorgen eher für Ruhe und Entspannung. Als Arbeitgeber sollte man all diesen Tätigkeiten wertschätzend gegenüberstehen und, wenn möglich, diese unterstützen. 

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