Drei Fragen an ...

Dr. Stefan Arend

Leiter Institut für Sozialmanagement und neue Wohnformen, Publizist, Vorstand KWA (2008-2020) 

Frage 1 - Was bedeutet Arbeitgeberattraktivität für Sie bzw. wie würden Sie diese definieren?

Arbeitgeberattraktivität drückt sich m.E. – neben den vertraglich fixierten und gewährten finanziellen Leistungen und den allgemeinen und speziellen Sozialleistungen (pekuniär und in natura) – vor allem durch die von Unternehmenskultur und -organisation geschaffene Balance zwischen den betrieblichen Notwendigkeiten und den persönlichen, individuell gegeben Freiheiten, Kompetenzen zu entwickeln und zum Nutzen der Unternehmung und deren Kunden / Klienten zur Entfaltung zu bringen. Diese Balance, man könnte auch von Spannungsfeldern sprechen, macht Arbeitgeberattraktivität aus – die natürlich nicht von oben geschaffen und verordnet werden kann, sondern vor allem auch durch das Vertrauen der Mitarbeitenden entsteht und getragen wird.

Frage 2 - Was ist das größte Lob, dass Ihre Mitarbeiter:innen Ihnen als Arbeitgeber bisher ausgesprochen haben?

Das Dankeschön, ganz im Stillen, fast in einer persönlichen Zwiesprache von fünf Schülerinnen und Schülern zum Ausdruck gebracht, die bei unserem Bildungszentrum ihre Fachhochschulreife geschafft haben, obwohl sie nur mit dem „Absitzen der Schulpflicht“ ohne jedwede formale Qualifikation zu uns gekommen waren und allein durch Vertrauen, Zusprache, der Übertragung von Verantwortung (auch für sich selbst) und dem Eröffnen neuer Perspektiven diese persönliche Karriere nehmen konnten.

Frage 3 - Welche Ideen waren im Nachhinein die erfolgreichsten für Ihre Arbeitgeberattraktivität?

Die Schaffung und Etablierung von vollstationären Hausgemeinschaften Anfang der 2000er Jahre. Die Hinwendung zur Alltagsnormalität in der vollstationären Pflege eröffnete vielen Berufsgruppen völlig neue berufliche Perspektiven und Einsatzbereiche. Eine solche berufliche Weiterentwicklung hätte es in der klassischen Langzeitpflege mit der überholten Orientierung an Krankenhausstrukturen nicht geben können.

In unserem 14-täglichen Newsletter stellen wir die drei Fragen jeweils an eine Persönlichkeit aus der Pflege. Melden Sie sich hier an, wenn Sie die Antworten regelmäßig lesen möchten.

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